Nordkurier_08/2011: Wenn Geschmack einem nicht Wurst ist, kommt man hierher.
Ein Festagsbraten für fünf Euro. Was manche Supermärkte ihren Kunden schmackhaft machen wollen, verliert spätestens in der Pfanne an Attraktivität. Wirklich gutes Fleisch hat seinen Preis, und man muss es nicht jeden Tag in sich hinein stopfen. Deshalb heißt es ja auch Festbraten.
So gesehen ist das Geld, das die Kunden an der Ladentheke des Landwerthofes in Stahlbrode lassen, schon nicht mehr soo viel. Wer lieber Gutes isst und das weniger oft, wird hier sicherlich nicht arm, und verhungern wird er wohl auch nicht.
Vor den Toren der Hansestadt, am Strelasund, stellen seit einigen Jahren Enthusiasten in Sachen Genusskultur Fleisch, Wurst und Delikataufstriche her. „Wir lassen den Tieren Zeit, zu wachsen und den Pflanzen Zeit, zu reifen. In meisterlicher Handarbeit entstehen in den LandWert Manufakturen aus dieser besonderen, regionalen Qualität ursprüngliche Geschmackserlebnisse“, sagt Unternehmenssprecherin Jette Weigel.
Mit „wir“ meint sie ein Netzwerk erfolgreicher ökologischer Unternehmen aus Vorpommern, in dessen Mittelpunkt der Landwerthof in Stahlbrode steht. Sein Markenzeichen sind zweifellos die Rinder, die auf dem weitläufigen Grünland weiden. Sie begrüßen die Neulinge und Stammgäste, die es zu den regelmäßig stattfindenden Hoffesten zieht und die, die am Wochenende zum Brunch hierher kommen.
Keine 20 Euro kostet die Teilnahme, die eines gewiss bewirkt: Die Gäste kommen auf den Geschmack, und dann kommen sie gerne wieder. Natürlich auch zum Einkaufen.
Die Preise an der Theke sollen mit den günstigen Angeboten in der Gastronomie nicht mithalten, sagt Jette Weigel. Wer sich aus Stralsund, Anklam oder Greifswald hierher auf den Weg gemacht habe, akzeptiere das auch. Vornehmlich junge Familien mit dem Ziel, sich bewusst zu ernähren, zählten zu den Stammkunden, heißt es.
Dass das von Kindesbeinen an zu erlernen ist, zeigt der Schulbauernhof. Das ökologische Projekt LandWert wurde ins Leben gerufen, um die praktische Ernährungs- und Umweltbildung für Kinder zu erweitern. Träger ist ein Verein. Er setzte sich mit der Gründung des Schulbauernhofes zum Ziel, einen außerschulischen Lernort zu etablieren, an dem Kindern die Themen ökologischer Landbau, gesunde Ernährung und Herkunft ihrer Lebensmittel sowie der Umgang mit Pflanzen und Tieren nahegebracht werden können. Der Schwerpunkt der Arbeit mit den Kindern liege auf dem „Selbst tun und selbst verstehen“, um eine nachhaltige Veränderung des Umwelt- und Ernährungsverhaltens der Kinder zu bewirken, so Weigel.
Eines lernen die Schüler hier ganz gewiss: Gut Ding will Weile haben. Denn sie sehen, dass die Tiere hier viel Zeit zum Wachsen haben. Das gilt icht nur für die Schweine, die nicht in Ställen schnell schlachtreif gemästet werden, sondern im Freien ein langes Leben haben. Dafür bleiben ihre Koteletts in der Pfanne ber auch schön saftig und „verdampfen“ nicht ofort wie bei manchen Turbomast-Produkten. Die kräftigen, robusten Hereford und Aubrac Rinder sind ebenfalls zu jeder Jahreszeit ungestört auf den 150 Hektar großen Weiden. Einmal im Jahr kommt der Nachwuchs ohne menschliche Hilfe zur Welt. Rund neun Monate bleiben die Kälber bei ihrer Mutter und haben 30 Monate Zeit, Fleisch von bester Qualität anzusetzen – Fleisch für einen würdigen Festtagsbraten.





























